Engines of Meaning: Unser Netzwerk wird zu einer ‚Antriebsmaschine für Sinn’

Stowe Boyd auf dem Convention Camp 2009 from t3n Magazin on Vimeo.

Stowe Boyd @next09 about the Web of Flow and Flow Apps from t3n Magazin on Vimeo.

Stowe Boyd ist international bekannter Internet-Vordenker und Web 2.0-Spezialist aus den USA. Er gilt als Experte für Social Tools und deren Einfluss auf Medien, auf die Geschäftswelt und auf die Gesellschaft. Ich lese seinen Gastbeitrag auf dem PR-Agentur-Blog mit seinen Ausblick auf die kommende Dekade. Den finde ich sehr spannend.  Er  steckt voller scheinbarer Paradoxien. Mit diesen müssen wir wohl lernen zu leben, davon bin ich überzeugt:  Sinn ist die neue Suche, das Individuum ist die neue Gruppe, Klein ist das neue Groß, Zeit ist der neue Raum und der Fluss das neue Zentrum. Boyd schreibt:

“Überflusswirtschaft bedeutet, dass wir zukünftig nicht mehr auf Suche angewiesen sind. Suche basiert auf Knappheit. Wenn aber alle wichtigen Informationen öffentlich zugänglich sind, und die nächste heiße Nachricht höchstens ein paar Sekunden entfernt, ist das Problem ein anderes. In dieser Welt ist das Problem nicht mehr, zu finden, was man sucht, sondern die Informationsflut einzugrenzen. Das ist für ein Unternehmen mit 1000 Angestellten genauso wahr, wie für das gesamte soziale Internet. Wir schalten zunehmend um auf einen sozialen Filter und fragen zunächst Menschen, die sich mit unserem Problem auskennen. Unser Netzwerk wird damit zu einer ‚Antriebsmaschine für Sinn’ (‚engines of meaning’), wie es Bruce Sterling gesagt hat…”

Boyd hat verschiedenste Unternehmen beraten, in Deutschland am bekanntesten ist XING. Boyd bloggt seit 1999 und hat vor etlichen Jahren seinen Newsletter abgeschafft („Dafür bin ich massiv beschimpft worden“) und seine aktuellsten Gedanken, Postings und Messages liest man hier und hier.

Dieser Gedanke Boyds hat mich besonders angesprochen, weil er meine eigene Praxis perfekt widerspiegelt und die möchte ich beinahe künstlerisch nennen:

“Oftmals lasse ich Aktivitäten ein wenig in der Schwebe, weil ich noch nicht recht weiß, was mir dazu einfällt. Manche dieser Dinge könnte ich bestimmt auflösen, indem ich einfach alles andere liegenlasse und mich fokussiere – aber bei den meisten Dingen ist das nicht der Fall. Und mich zu einer einzelnen Problemlösung zu zwingen, führt auch nicht unbedingt zu einem akzeptablen oder gewinnbringenden Ergebnis. Es ist wie bei einem Maler, der mehrere Bilder gleichzeitig malt. Die primäre Motivation ist nicht ein Bild ‚fertig’ zu bekommen, sondern Farbtupfer hinzuzufügen, von denen man in diesem Moment weiß, dass es die richtigen sind. Ich bin mit einer Community von Menschen verbunden, die mir schreiben und denen ich antworte. Ich lehne die Idee ab, dass Medien ein Strom seelenlosen Inhalts sind, den ich konsumiere. Ich lese im Ergebnis anders, als jemand, der nur die Überschriften scannt. Vielleicht bringt mich ein Artikel dazu etwas nachzuschlagen, was ich dann lese und das mich zu einer unausgereiften Idee kommen lässt. Die schwebt dann in meinem Hinterkopf für einen Tag herum, bevor sie mich zu irgendeiner messbaren Aktion bewegt.  Studien beschäftigen sich mit der messbaren Ablenkung. Aber woher wissen wir überhaupt, was ‚irrelevante Information’ in der echten Welt ist?”

Be Sociable, Share!
 
Bisher keine Kommentare
 
Januar 2017
M D M D F S S
« Dez    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031