„… Isch abe gare keinen Dialog“

Mirko Lange, PR-Kollege, spricht fast plaudernd aus, was ich bereits seit einiger Zeit wahrnehme, während auch ich noch immer postuliere: „Geht in den Dialog, Kunden, tut es, wagt es!“ Er meint: Es braucht keinen (direkten) Dialog, um erfolgreich als Unternehmen über Social Media zu kommunizieren. Im Sinne des Cluetrain Manifestes finden ja schon lange Gespräch statt, denen jeder im Web lauschen kann. Wichtig ist dabei, dass Unternehmen, wenn sie sich denn einmischen, ihre Perspektive in diese Gespräche mit einfließen lassen. Aber müssen Perspektiven und gute Argumente  zwingend dialogisch vermittelt werden? Immerhin gibt es viele überaus erfolgreiche “undialogische” Accounts. Es ist zu bedenken: Dialog als Echtzeit-Dialog zu skalieren, ist aufwändig, ist teuer, kaum wirtschaftlich darzustellen. Es sei denn, es gelingt einem mit überschaubaren Mitteln, dass einige Menschen viele Menschen zu dialogbereiten Fürsprechern einer Sache, einer Marke machen oder dazu „anstiften“. Was also ist mindestens zu tun? Pragmatischerweise erfordert Zuhören und Publizieren ohne direkten Dialog ein Mehr an strategischem Themenmanagement. Hier sind wohl wieder besonders jene „klassischen“ PR-Leute mit einem feinen Sensus für Themen gefragt. Lange:

„Gute Social Media Kommunikation bedeutet, über die Dinge zu sprechen, die die Menschen interessieren. Die Menschen bewegen. Die Kunst (und meine persönliche Hoffnung für die Zukunft der PR) besteht darin, im Unternehmen zu verankern, dass diese Themen auch authentisch sind, also zum Unternehmen passen. Menschen haben nämlich ein sehr gutes Gespür für Authentizität: und wenn man da Fehler macht, wird man selbst schnell zum (negativen) Gesprächsgegenstand (siehe Debatte um Vodafone). Der Fehler von Vodafone war nicht fehlender Dialog, sondern fehlendes Gespür für die Übereinstimmung von Themen und Gesprächspartnern. Fazit: Dialog ist “nur” die Kür“

Es geht also nicht immer darum, selbst einen Dialog zu führen. Es reicht, über die richtigen Themen im passenden Umfeld zu sprechen.

„Das erreicht man, indem man zuhört und die Themen entwickelt, welche die Dialoggruppen interessieren, idealerweise bewegen. Diese Themen kann man dann “über Social Media” kommunizieren – und das meint vor allem Social Media als Kanal [sic!]. Und wenn es richtig gut läuft, dann führen die Menschen den Dialog dann ganz von alleine. Denn das ist das Schöne an Social Media – überall ist die technische Möglichkeit für Dialog vorhanden. Aber es steht nirgends geschrieben, dass das Unternehmen selbst an der Debatte teilnehmen muss. Man kann es gerne tun. Und es ist auch höflich, wenn man direkt angesprochen wird. Aber direkter Dialog ist weder Pflicht, noch Voraussetzung für gute (Social-Media-) Kommunikation.“

Für Mirko Lange geht es hier um die hohe Kunst der “Corporate Social Media Kommunikation”. Nämlich echte “Fürsprecher” zu gewinnen. Nicht umsonst lautet der Claim seiner Firma talkabout “Fürsprecher gewinnen | Debatten führen | Werte schaffen”. Für ihn kann das Ziel von Unternehmen nicht ein “abstraktes Teilnehmen” an einer Debatte sein. Es geht darum, sicherzustellen, dass deren Argumente und Perspektiven in den Meinungsbildungsprozess mit einfließen, Menschen zu „Influencern“ zu machen. In meiner Sprache gilt es auch, sie zu „Kennern“ zu machen. Lange stellt am Schluss fest, dass in der derzeit stattfindenen Debatte die Hürden für “Social Media” sehr hoch sind. Wie man sie herunterschraubt und trotzdem/erstrecht einen guten Job macht, verrät er hier im Original.

Be Sociable, Share!
 
Bisher keine Kommentare
 
Juli 2017
M D M D F S S
« Dez    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31